Formale Feinheiten

Ich kenne mich weder in Frau Roches Feuchtgebieten aus noch in Kafkas Prozeß. Ersteres schon deswegen nicht, weil ich Frau R. bisher nicht persönlich kennengelernt habe, letzteres schon deswegen nicht, weil ich dafür zu jung bin. Frau Roches “Feuchtgebiete” kennenzulernen, ist mir jedoch jederzeit möglich und hängt nur von meinem entsprechenden Entschluß ab, den ich allerdings nicht fassen werde. In Kafkas “Prozeß” kenne ich mich hingegen aus. (http://www.spiegel.de/forum/kultur/zwiebelfisch-ist-unsere-sprache-ein-schwerer-pflegefall-thread-180-2680.html)

Also Anführungszeichen, wenn wir das Werk meinen!

(Der namenlose Ich-Erzähler in “Agnes”!!!)


Darf man den “goldnen Topf” deklinieren?

Oder muss man schreiben: Darf man den Werktitel “Der goldne Topf” deklinieren?


“Der goldene Topf” oder “Der goldne Topf”?

In der ersten Auflage von 1814 hieß das Werk noch “Der goldene Topf” und wurde dann in der zweiten Auflage von 1819 in “Der goldne Topf” geändert.


Anselmus im Genitiv:

Anselmus’ Schusseligkeiten (wessen Schusseligkeiten? – Genitivattribut)


 

Holunderbusch-Szenen im Vergleich

Unter einem Holunderbaume, der aus der Mauer hervorgesprossen, fand er ein freundliches Rasenplätzchen; da setzte er sich hin und stopfte eine Pfeife von dem Sanitätsknaster, den ihm sein Freund, der Konrektor Paulmann, geschenkt. – Dicht vor ihm plätscherten und rauschten die goldgelben Wellen des schönen Elbstroms, hinter demselben streckte das herrliche Dresden kühn und stolz seine lichten Türme empor in den duftigen Himmelsgrund, der sich hinabsenkte auf die blumigen Wiesen und frisch grünenden Wälder, und aus tiefer Dämmerung gaben die zackichten Gebirge Kunde vom fernen Böhmerlande. Aber finster vor sich hinblickend, blies der Student Anselmus die Dampfwolken in die Luft, und sein Unmut wurde endlich laut, indem er sprach: »Wahr ist es doch, ich bin zu allem möglichen Kreuz und Elend geboren! – Daß ich niemals Bohnenkönig geworden (…) –« Hier wurde der Student Anselmus in seinem Selbstgespräche durch ein sonderbares Rieseln und Rascheln unterbrochen, das sich dicht neben ihm im Grase erhob, bald aber in die Zweige und Blätter des Holunderbaums hinaufglitt, der sich über seinem Haupte wölbte. Bald war es, als schüttle der Abendwind die Blätter, bald, als kos’ten Vögelein in den Zweigen, die kleinen Fittiche im mutwilligen Hin- und Herflattern rührend. – Da fing es an zu flüstern und zu lispeln, und es war, als ertönten die Blüten wie aufgehangene Kristallglöckchen. Anselmus horchte und horchte. (Erste Vigilie)

Also, wie gesagt, der Student Anselmus geriet seit jenem Abende, als er den Archivarius Lindhorst gesehen, in ein träumerisches Hinbrüten, das ihn für jede äußere Berührung des gewöhnlichen Lebens unempfindlich machte. Er fühlte, wie ein unbekanntes Etwas in seinem Innersten sich regte und ihm jenen wonnevollen Schmerz verursachte, der eben die Sehnsucht ist, welche dem Menschen ein anderes höheres Sein verheißt.  (…)So kam es denn, daß er einst, von einem weiten Spaziergange heimkehrend, bei jenem merkwürdigen Holunderbusch vorüberschritt, unter dem er damals, wie von Feerei befangen, so viel Seltsames sah; er fühlte sich wunderbarlich von dem grünen heimatlichen Rasenfleck angezogen, aber kaum hatte er sich daselbst niedergelassen, als alles, was er damals wie in einer himmlischen Verzückung geschaut, und das wie von einer fremden Gewalt aus seiner Seele verdrängt worden, ihm wieder in den lebhaftesten Farben vorschwebte, als sähe er es zum zweitenmal. Ja, noch deutlicher als damals war es ihm, daß die holdseligen blauen Augen der goldgrünen Schlange angehörten, die in der Mitte des Holunderbaums sich emporwand, und daß in den Windungen des schlanken Leibes all die herrlichen Kristall-Glockentöne hervorblitzen mußten, die ihn mit Wonne und Entzücken erfüllten. So wie damals am Himmelfahrtstage umfaßte er den Holunderbaum und rief in die Zweige und Blätter hinein: »Ach, nur noch einmal schlängle und schlinge und winde dich, du holdes grünes Schlänglein, in den Zweigen, daß ich dich schauen mag. – Nur noch einmal blicke mich an mit deinen holdseligen Augen! Ach, ich liebe dich ja und muß in Trauer und Schmerz vergehen, wenn du nicht wiederkehrst!« Alles blieb jedoch stumm und still, und wie damals rauschte der Holunderbaum nur ganz unvernehmlich mit seinen Zweigen und Blättern. (…) Nun ging der Student Anselmus jeden Abend, wenn die Sonne nur noch in die Spitzen der Bäume ihr funkelndes Gold streute, unter den Holunderbaum und rief aus tiefer Brust mit ganz kläglichen Tönen in die Blätter und Zweige hinein nach der holden Geliebten, dem goldgrünen Schlänglein. Als er dieses wieder einmal nach gewöhnlicher Weise trieb, stand plötzlich ein langer hagerer Mann, in einen weiten lichtgrauen Überrock gehüllt, vor ihm (…) (Vierte Vigilie)

Gedichtinterpretation – Schreibhilfen

Sammlung von Textbausteinen und Vorschlägen (in Arbeit)

Kadenz

Der Vers endet auf eine männliche Kadenz.

Der Vers schließt mit einer männlichen Kadenz.

Der Vers hört mit einer männlichen Kadenz auf.

 

Durch die männliche Kadenz stockt der Lesefluss.

 

No-Gos (im Netz gefunden):

Das Abwechseln männlicher und weiblicher Kadenzen ist durchweg vorzufinden.

 

Hexen- und Teufelsdarstellungen in Kirchen

Aabenraa 2018, Nicolaikirche, Kanzel, ©ankehueper


Aabenraa 2018, Nicolaikirche, Kanzel, ©ankehueper

“Frigga” auf dem Besen im St.-Petri-Dom, Schleswig, nördliches Seitenschiff, vorne
“Frigga” auf dem Besen im St.-Petri-Dom, Schleswig, nördliches Seitenschiff, vorne, 2015, ©ankehueper
Pfarrkirche St. Michael, Altar, Odenheim, 2003, ©ankehueper

Links:

Hexen- und Teufelsdarstellungen aus den Kirchen in Großenwieden, Kathrinhagen und Hülsede (Grafschaft Schaumburg)

Erste Vigilie

http://hueperblog.de/2018/03/14/der-goldne-topf-1/
Das unglückliche Ereignis auf dem Markt

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-2/
Reaktion der Marktfrauen, Fluch, Flucht

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-3/
Anselmus auf der Flucht, Reaktionen der Menschen nach dem Fluch

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-4/
Beginn der Himmelfahrtsfestlichkeiten

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-5/
Anselmus beklagt sein Missgeschick

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-6/
Lieblicher Ort an der Elbe, Fortsetzung der Klage Anselmus’

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-7/
Anselmus beklagt sein Schicksal

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-8/
Erscheinung im Holderbusch, rätselhaftes Gezwitscher über Liebe und Lust

http://hueperblog.de/2016/07/07/der-goldne-topf-9/
Die Nacht ? ruft zu Ruhe und Ordnung, die Erscheinung verschwindet